Thomas Schmid

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Rennbericht Simracing-SM (9. November + 7. Dezember 2026)

Schweizermeister!

Anfangs November stand der erste Renntag der Simracing-Schweizermeisterschaft auf dem Programm. Nachdem ich letztes Jahr den Titel abgeben musste, war ich in diesem Jahr umso motivierter den Titel wieder zurückerobern. In der Qualifikationsphase konnte ich mich ohne grossen Aufwand mit der Drittschnellsten Rundenzeit souverän unter die Top 28 und somit für die 4 Meisterschaftsrennen qualifizieren.

In diesem Jahr war die Leistungsdichte an der Spitze so hoch wie wohl noch nie zuvor. Neben den bekannten Gesichtern, ist auch erstmals der chilenische (mit Wohnsitz in der Schweiz) Vollzeit-Profi-Simracer und Formel 1 Esports Vize-Weltmeister Fabrizio Donoso mit von der Partie.

Die ersten beiden Rennläufe auf dem virtuellen Red Bull Ring versprachen mit einem neuen fiktiven Rennfahrzeug enge Rennen. Dies wurde vor allem im Qualifying deutlich, als ich mich ganz knapp auf die Pole-Position stellen konnte. Nur 9, bzw. 34 Tausendstel-Sekunden Vorsprung konnte ich auf die ersten Verfolger rausfahren!

Im ersten Rennlauf konnte ich meine Pole-Position perfekt ausnutzen und nach dem Start gleich eine kleine Lücke aufreissen. Ich machte keine Fehler und konnte nach 20 Minuten als Sieger über die Ziellinie fahren und wichtige Punkte für die Meisterschaft mitnehmen.

Der zweite Rennlauf sorgte aufgrund der umgekehrten Startreihenfolge der Top 5 für zusätzlich Spannung und Chaos. Bereits in der zweiten Kurve stach ein übermotivierter Fahrer hinter mir voll in die Kurve. Ich konnte einen Unfall verhindern, jedoch übersah ich dabei einen weiteren Fahrer, welchen ich leicht von der Strecke drängte. Nichts weiter Schlimmes, doch dieses Manöver handelte mir nach dem Rennen eine 5-Sekunden Strafe ein…

Von Platz 6 versuchte ich Boden nach vorne gut zu machen. Ich überholte einen Fahrer und als sich die Spitzengruppe nicht einig war und verkeilte, rückte ich auf den 2. Rang vor. Ich versuchte rasch am Führenden vorbeizukommen, doch dieser wehrte sich sehr aggressiv mit allen Händen und Füssen. Als ich endlich vorbei war, ging es keine halbe Runde bis er mich in einer Anbremsphase geradeaus von der Strecke schob. Kein Wunder war es derselbe übermotivierte Fahrer der schon am Start und im weiteren Rennverlauf für Chaos sorgte. Wieder fiel ich auf den 5. Rang zurück und musste nochmals von “vorne“ anfangen. Bis zum Rennende konnte ich mich noch auf den 2. Rang vorkämpfen, mit meiner Strafe wurde es am Schluss der 3. Rang.

Gut vorbereitet und mit einem winzigen Punkt Vorsprung reiste ich im Dezember nach Kemptthal zum Finaltag der Simracing Schweizermeisterschaft 2025. Die besten 20 Simracer der Schweiz traten auf 20 Simulatoren vor Ort an und sollten bei den letzten zwei Rennläufen auf der Strecke von Spa den neuen Schweizermeister ausmachen.

Nur 7 min Training standen zum Einfahren zur Verfügung. Ich fühlte mich relativ gut und ging zuversichtlich ins 12 minütige Qualifying. Ich wartete von allen Fahrern am längsten in Box um eine möglichst freie Strecke zu haben. In der ersten fliegenden Runde hatte ich einige kleine Fehler drin, was vorerst nur für den 5. Platz reichte. Ich musste also zulegen und vor allem sauber fahren. Dies gelang mir in der zweiten Runde deutlich besser und reihte mich auf dem 2. Rang ein. In den restlichen Minuten änderte sich nichts mehr an der Reihenfolge und ich konnte mich deshalb in der Frontreihe direkt hinter meinem ärgsten Verfolger Pascal Gehrig aufstellen.

Da ich regelmässig mit Pascal Gehrig im autovirtuell Romanshorn trainierte hatte, kannten wir uns gut und haben uns in der kurzen Pause vor dem Rennstart abgesprochen. Ich versprach ihm in den ersten Runden nicht anzugreifen und ihn gleichzeitig auf den langen Geraden zu schieben. Dieses “Team autovirtuell-Teamwork“ sollte uns davon abhalten, dass sich weitere schnelle Fahrer in der Startphase in unseren Kampf einmischen können.

Diese Taktik haben wir uns nach dem chaotischen Rennen auf dem Red Bull Ring ausgedacht, als dort im zweiten Rennlauf “Alle gegen Alle“ gefahren sind. Vorne konnte man nicht entwischen, weil die Verfolger dank starkem Windschatteneffekt immer wieder den Führenden angreifen konnten. Aufgrund der vielen Zweikämpfe gab es einen regelrechten “Stau“ und gefühlt 10 Fahrer konnten um den Sieg fahren.

Gesagt, getan. Den Start erwischte ich gut und auf der langen Kemmel-Geraden nutzte ich meinen Geschwindigkeitsüberschuss aufgrund des Windschattens und schob Gehrig leicht am Heck an. So konnten wir uns von den Angriffen hinter uns wehren. Gleichzeitig entbrannte ein hefiger Zweikampf zwischen Rang 3 und 4. Sofort ging eine Lücke auf und wuchs schnell auf 5 Sekunden an. Zu diesem Zeitpunkt konnte sich Gehrig jedoch schon ganz leicht von mir absetzen. Weder er noch ich machten grössere Fehler und so fuhr ich auf Rang 2 ins Ziel.

Wichtige Punkte für die Meisterschaft, doch gleichzeitig musste ich meine Tabellenführung an Gehrig abgeben. Das Positive war, dass die weiteren Meisterschaftskandidaten aufgrund der vielen Zweikämpfe viele Punkte liegen liessen. So musste ich mich eigentlich nur noch um Pascal Gehrig kümmern. Im entscheidenden Rennen war aber die Absprache klar, wir arbeiten nicht mehr zusammen, sondern es wird Rennen gefahren! Möge der Bessere gewinnen…

Dank der umgekehrten Startreihenfolge der Top 5 für den zweiten Rennlauf startete ich als Vierter einen Platz vor Gehrig. Damit es mit der Meisterschaft noch klappte musste ich auf jeden Fall vor ihm ins Ziel kommen. Dies zeigte meine eigens angefertigte Excel-Punkteprognose-Tabelle unmissverständlich auf...

Der Start ins zweite Rennen verlief gut. Am Ende der langen Geraden gab es bereits erste Rangelein der Top 3, die ich geschickt nutzen konnte um auf den 2. Rang vorzufahren. Gehrig folgt mir jedoch wie ein Schatten. So versuchte ich so schnell wie möglich den Führenden unter Druck zu setzen. Dank eines kleinen Fehlers konnte ich am Ende der zweiten Runde dann die Führung übernehmen. Diese währte jedoch nicht lange und am Ende der Kemmel-Geraden musste ich diese bereits wieder abgeben. In der folgenden Runde griff Gehrig in der ersten Spitzkehre an, touchierte dabei aber leicht den Führenden und so konnte ich meine Position behaupten und direkt im Anschluss den Führenden überholen!

So, diesmal muss ich den Verfolgern unbedingt entkommen! Ich pushte maximal, doch die Reifen hatten bereits etwas abgebaut und so schlichen sich kleine Rutscher ein. Zu viel gepusht, vor der letzten Schikane geriet ich bereits wieder unter Beschuss vom Verfolger sowie Gehrig auf Rang 3. Beide bremsten auf der letzten Rille und schossen an mir vorbei… So stark, dass beide in der Schikane überschossen und wertvolle Zeit und Positionen liegen liessen.

Endlich war die Führung mit einem kleinen Puffer zu Gehrig da! Mein neuer Verfolger im Rennen hiess Fabrizio Donoso, der Meisterschaftsdritte. Als er mich dann auf der nächsten Gerade schob um die Lücke zu Gehrig aufrecht zu erhalten, war ich richtig erleichtert! Ein Fahrer der auch mit dem Kopf fährt. Eine Runde später wollte er doch die Führung übernehmen und ich machte ihm das Leben dabei nicht schwer, damit wir möglichst keine Zeit verlieren. In den folgenden Runden schob ich Donoso regelmässig auf den Geraden und mein Vorsprung auf Gehrig blieb konstant bei etwas über einer Sekunde.

Den Laufsieg überliess ich Donoso (er erhielt nach dem Rennen noch eine 5 Sekunden Strafe, da er zu oft mit 4 Rädern neben der Strecke war, so ging der Laufsieg doch an mich...), da mir die Platzierung vor Gehrig und damit der Titel logischerweise wichtiger war.

Das war es! Bereits zum 6. Mal darf ich mich nun Schweizermeister im Simracing nennen! Ich bin sehr happy, dass ich nach der Enttäuschung vom letzten Jahr den Titel zurückerobern konnte! Das coole ist, dass ich als Titelgewinner ein Rennwochenende im Zentraleuropäischen Renault Twingo Cup gewonnen habe! Ich freue mich jetzt schon sehr darauf im nächsten Jahr mein allererstes Asphalt-Rundstreckenrennen bestreiten zu können! Herzlichen Dank an die Organisatoren und Partner dieser Meisterschaft die einen so tollen Preis ermöglicht haben!