Thomas Schmid

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Rennbericht Autocross-EM Maggiora (13. - 14. September 2025)

Schwarze Flagge statt Finale

Nachdem ich in letzter Sekunde noch auf die Startliste für das Autocross-EM Rennen in Maggiora gerutscht bin, freute ich mich extrem auf den EM-Gaststart in Italien! Mit 50 der besten Crosskart-Piloten aus ganz Europa war das Startfeld einmal mehr hochkarätig besetzt.

Am Samstagmorgen stand zuerst das Warm-Up auf dem Programm, wo ich ein gutes Gefühl für die Strecke und den neuen Camotos Rapace X-Evo fand und mit Rang 7 eine ansprechende Zeit fahren konnte.

Für das erste Qualifying startete ich mit meiner hohen Startnummer 394 in der letzten Gruppe. Ich wusste, dass ich nun eine super Runde hinlegen musste, da ich im zweiten Qualifying in umgekehrter Reihenfolge in der ersten Gruppe auf einer frisch bewässerten Strecke fahren muss. Mit Rang 9 und nur 4 Zehntel auf Rückstand auf die provisorische Pole-Position, schaffte ich zwar eine gute, aber nicht perfekte Runde. Ich war sicherlich nicht ganz zufrieden, vor allem hatte ich in der letzten Kurve einen zu grossen Driftwinkel, was einiges an Schwung kostete. Eine Top 3 Platzierungen wäre möglich gewesen…

Im zweiten Qualifying konnte ich mich wie erwartet nicht verbessern. Ich rutschte auf den 13. Rang ab. Trotzdem gab es mir wieder etwas mehr Selbstvertrauen, da ich im Vergleich zu den Piloten, die dieselben Streckenbedingungen hatten zu den Schnellsten gehörte.

Die 50 Fahrer wurden für die Vorläufe in 5 Gruppen unterteilt, was bedeutete dass ich als Dritter in meiner Gruppe aus der ersten Startreihe den ersten Rennlauf starten konnte. Der Start von der Linie weg war eher mittelmässig und beim ersten Bremspunkt für die erste Kurve war ich dann viel zu vorsichtig und bremste zu früh. Prompt stach ein Fahrer aus der zweiten Reihe in die Lücke und überholte mich. Meine Pace war in der Folge besser und ich konnte mich zweimal fast wieder vorbeischieben, doch für ein Überholmanöver reichte es nicht ganz. Rang 4.

Am Sonntagmorgen für den zweiten Vorlauf nahm ich mir vor nicht mehr so konservativ am Start zu sein. Die Europameisterschaft ist so hart umkämpft, da wird jedes zögern direkt mit einem Platzverlust bestraft. Diesmal wärmte ich zudem meine Hinterreifen auf dem Weg zum Start deutlich mehr auf und kam dadurch auch gut von der Startlinie weg. In der ersten Kurve profitierte ich von Rangeleien vor mir und konnte den 3. Platz übernehmen. Ich konnte dem Führungsduo folgen und hinter mir schnell eine Lücke aufmachen. Die Pace war wirklich gut und ich konnte das Rennen souverän als 3. beenden, was auch einen sicheren Platz im Halbfinale bedeutete.

Beim dritten Vorlauf ging es darum nochmals eine möglichste gute Platzierung einzufahren, um im Halbfinale weiter vorne starten zu können. In meiner Gruppe mit gleich zwei Europameistern war das keine leichte Aufgabe. Ich erwischte einen guten Start und konnte mich in der ersten Kurve aussen herum schon fast auf dem 2. Platz einreihen als ich vom Meisterschaftsführenden David Méat seitlich an die Streckenbegrenzung abgedrängt wurde. Der ganze Schwung war weg und ich sofort fiel ich auf den 5. Rang zurück. Es sollte nicht mein letzter Kontakt mit dem 3-fachen Europameister aus Frankreich bleiben...

In der Summe aller Vorläufe bedeutete dies, dass ich im Halbfinale als Achter starten musste. Für den Einzug in den Final war eine Top-5 Platzierung notwendig. Keine einfache Aufgabe, denn das Überholen in diesem extrem starken Fahrerfeld war sehr schwierig. Ich erwischte einen soliden Start, der links von mir gestartete David Méat kam noch etwas besser weg und reihte sich vor dem ersten Bremspunkt vor mir ein. Dort kam er bereits am Kurveneingang sehr quer und bei nicht optimaler Sicht im Staub berührte ich ihn ganz leicht an seinem Heck. Dies reichte bereits aus, dass es ihn drehte und zum Stillstand kam. Ich konnte ausweichen und die Fahrt an 6. Position fortsetzen. Schnell schloss ich zu den Vorderleuten auf. Bei Rennhälfte konnte ich in der ersten Kurve ein Crosskart überholen und den so wichtigen 5. Rang einnehmen. Kurz darauf hatte der Führende ein technisches Problem und so wurde ich nach 6 Runden als 4. abgewunken.

Dies war der Finaleinzug. Theoretisch… Bereits nach dem Zieleinlauf dachte ich, ob ich an der Startkollision beteiligt war und ob dies sich das die Rennleitung noch genauer anschauen wird. Denn nach einem so adrenalingeladenen Rennstart voller Kontakte, Staub und Chaos weiss man nach dem Rennen praktisch nicht mehr was genau passierte.

Im Fahrerlager angekommen, kam direkt die Meldung dass ich bei der Rennleitung antraben musste. Zusammen mit David Méat wurden wir zum Rennleiterhäuschen chauffiert. Dort zeigte der Rennleiter die Szene auf den verschiedenen Überwachungskameras und sagte ziemlich klar dass ich die Kollision verursacht habe. Meine Argumente, Méat hatte sich schon vor der Kurve fast selbst gedreht und es war einfach ein normaler Startzwischenfall mit diversen leichten Kontakten, wie er im Autocross praktisch immer vorkommt, stiessen auf kein Gehör. Mir wurde die Schwarze Flagge gegeben, was mit der Disqualifikation im Halbfinale gleichbedeutend war. Méat zog als Folge doch noch in den Final ein.

Tja, mir blieb nichts anderes übrig als die Entscheidung zu akzeptieren und respektieren. Im Fahrerlager kamen viele Fahrer auf mich zu und meinten die Strafe sei ein Witz und überhaupt nicht verhältnismässig. Ein schwacher Trost…

Trotz der Enttäuschung war ich im Grossen und Ganzen zufrieden mit der Leistung am Wochenende. Das Fahren am Limit auf der Strecke und die actionreichen Rennen haben enorm Spass gemacht! Meine Rennpace war nochmals deutlich näher an der Spitze dran wie noch im Vorjahr. Es fehlt nur noch ganz wenig auf die weltbesten Fahrer. Mein grösstes Manko war die fehlende Routine als Gaststarter. Mir passierten im Vergleich zu den Vollzeitsaison-Fahrern zu viele Mini-Fehler, welche in einem so engen Feld den Unterschied machen.